Markets Update Mai 2026 - Mega-Börsengänge werfen ihren Schatten voraus

Autor : Petra Burandt
26. Mai 2026
Markets Update Mai 2026 - Mega-Börsengänge werfen ihren Schatten voraus
  • Inflationsrisiken und Zinsdruck: Iran-Konflikt wird immer mehr zum Belastungsfaktor
  • Heißer IPO-Sommer könnte bevorstehen: SpaceX, OpenAI und Anthropic streben an die Börse
  • Vergleich mit der Dotcom-Ära hinkt: Börsengänge dürften keine Vorboten eines Bärenmarktes sein

Der übergeordnete Aufwärtstrend an den globalen Aktienmärkten ist weiter intakt, die Dynamik dürfte jedoch bald abnehmen. Die sehr starke Berichtssaison zum 1. Quartal 2026 war in den vergangenen Wochen ein wichtiger Treiber für die Börsen. Die positiven Impulse sind inzwischen jedoch weitgehend in den Kursen berücksichtigt, was sich auch an den hohen Bewertungen und den überkauften Trends ablesen lässt.

Zudem entwickelt sich der Iran-Konflikt und die damit zusammenhängende Blockade der Straße von Hormus zum Belastungsfaktor. Die Investoren verlieren zunehmend die Geduld und beginnen, Inflationsrisiken immer stärker einzupreisen, was zu höheren Zinsen führt. Das wirkt perspektivisch als Bremsklotz für die hoch bewerteten Märkte.

Dass die Hormus-Blockade zuletzt etwas gelockert wurde – chinesische und indische Schiffe dürfen die Meeresenge nun passieren – sowie die fortlaufende Freigabe strategischer Ölreserven konnten zwar einen noch stärkeren Inflationsschock verhindern. Ein tragfähiger Dauerzustand ist dies jedoch nicht. Damit der Inflationsdruck dauerhaft nachgibt, bleibt eine diplomatische Lösung des Iran-Konflikts in den kommenden Monaten unabdingbar. Ob die aktuellen Verhandlungen zu einer nachhaltigen Öffnung der Straße von Hormus führen werden, die über die diskutierten 60 Tage hinausgeht, ist mit hoher Unsicherheit behaftet.

Unternehmen im Wert von bis zu 4 Billionen US-Dollar vor Börsengang

Das Technologie- und Raumfahrtunternehmen SpaceX steht kurz vor seinem Börsendebüt. Gleichzeitig hat das KI-Unternehmen OpenAI seine Pläne für einen IPO (Initial Public Offering) vorgezogen. Das dürfte den Hauptrivalen Anthropic unter Zugzwang setzen, ebenfalls zeitnah einen Börsengang anzustreben. Allein die genannten Unternehmen könnten insgesamt mit bis zu 4 Billionen US-Dollar bewertet werden. Damit dürfte ein „heißer“ IPO-Sommer bevorstehen.

Den Investmentbanken, die diese Transaktionen begleiten, winken enorme Einnahmen. Doch werden auch die Anleger profitieren? Die Parallelen zur Tech-Euphorie der späten 1990er-Jahre sind unbestritten: Eine neue Technologie dominiert das Börsennarrativ, die Stimmung ist euphorisch und Unternehmen nutzen das Umfeld, um zu ambitionierten Bewertungen Kapital am Markt einzusammeln. Die aktuell diskutierten Bewertungen implizieren häufig hohe zweistellige Kurs-Umsatz-Verhältnisse. Im Fall von SpaceX könnte bei einer Platzierung am oberen Ende der Bewertungsspanne sogar ein dreistelliges Kurs-Umsatz-Verhältnis stehen. Wohlgemerkt: Wir sprechen über Kurs-Umsatz- und nicht über Kurs-Gewinn-Verhältnisse, da viele dieser Unternehmen bislang keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften. 

In den späten 1990er-Jahren erwiesen sich die damaligen Mega-IPOs als Vorboten des Platzens der Dotcom-Blase und eines anschließenden jahrelangen Bärenmarktes. Droht sich die Geschichte zu wiederholen? Das ist keineswegs ausgemacht. Sollten die anstehenden IPOs tatsächlich zu den aktuell diskutierten Bewertungen erfolgen, drohen bei diesen Unternehmen mittelfristig enttäuschende Renditen. Aufgrund ihrer potenziell enormen Marktkapitalisierung könnten entsprechende Kurskorrekturen temporär auch den gesamten Technologiesektor belasten. Ein mehrjähriger Bärenmarkt bei Technologieaktien und damit eine Wiederholung des Dotcom-Szenarios ist aktuell jedoch weniger wahrscheinlich. Dafür sind Umsätze, Gewinne und Cashflows des Technologiesektors heute insgesamt deutlich robuster. Das ist der zentrale Unterschied zur Dotcom-Phase um die Jahrtausendwende.

Petra Burandt

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