Absichern oder hoffen? Warum Nicht-Absichern die teuerste Entscheidung sein kann

Absichern oder hoffen? Warum Nicht-Absichern die teuerste Entscheidung sein kann

 

Viele Menschen stehen irgendwann vor der Entscheidung:
Soll ich eine Absicherung wie eine Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung abschließen – oder nicht?
Immer wieder höre ich Sätze wie:
„Wenn ich sie brauche, bin ich froh, dass ich sie habe – aber wenn ich sie nie brauche, habe ich ja über Jahre umsonst gezahlt.“

Dieser Gedanke ist menschlich. Aber betrachten wir ihn einmal nüchtern:

Die Hoffnung, dass nichts passiert

Natürlich hofft jeder, gesund und leistungsfähig zu bleiben. Und ja – viele Menschen bleiben es ein Leben lang. Aber Absicherungen wie eine Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung sind keine „Wette auf Unglück“.
Sie sind eine Antwort auf die schlichte Tatsache, dass wir unser Einkommen nicht garantiert kontrollieren können.

Berufsunfähigkeit trifft in Deutschland jeden vierten Arbeitnehmer. Krankheiten wie psychische Belastungen, Rückenprobleme oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Ursachen – und sie kommen oft schleichend, nicht dramatisch.
Die Hoffnung, verschont zu bleiben, ist keine Strategie. Sie ist ein Wunsch.

Was steht wirklich auf dem Spiel?

Wenn Sie sich gegen eine Absicherung entscheiden, sparen Sie vielleicht 100 oder 120 Euro im Monat.
Auf das Jahr gerechnet sind das etwa 1.200 bis 1.400 Euro. Über 30 Jahre vielleicht 36.000 bis 40.000 Euro.

Auf den ersten Blick scheint das viel Geld zu sein. Aber was passiert im schlimmsten Fall?
Ein durchschnittliches Jahreseinkommen von 40.000 Euro summiert sich über 30 Jahre auf 1,2 Millionen Euro.
Ein Verlust dieser Einkommensquelle bedeutet nicht einfach „etwas weniger Geld“ – es bedeutet den Verlust von Lebensstandard, von Unabhängigkeit, von Möglichkeiten.

Mit anderen Worten: Sie sparen kleine Beträge und riskieren dafür Ihre größte finanzielle Lebensgrundlage.

Absicherung ist keine Geldanlage, sondern Risikomanagement

Eine Versicherung ist nicht wie ein Sparvertrag.
Sie dient nicht dem Vermögensaufbau, sondern dem Schutz gegen existenzielle Risiken.
Genauso wenig würde ein Unternehmer seine Firma ohne Feuerversicherung betreiben, nur um die Prämien zu sparen – weil er weiß: Ein einzelner Brand kann alles vernichten.

Der Schutz, den eine Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung bietet, ist also wie ein Sicherheitsnetz:
Solange es nicht gebraucht wird, ist es beruhigend.
Wenn es gebraucht wird, rettet es die finanzielle Existenz.

Was ist die eigentliche Frage?

Die wahre Entscheidung lautet nicht:
„Will ich 100 Euro im Monat sparen oder nicht?“
Sondern:
„Bin ich bereit, mein gesamtes Einkommen, meine Wohnsituation und meine finanzielle Freiheit aufs Spiel zu setzen – nur um einen kleinen monatlichen Betrag zu sparen?“

Fazit

Hoffnung ist ein schönes Gefühl – aber keine Absicherungsstrategie.
Wer bewusst absichert, entscheidet sich aktiv dafür, sein Leben und seine Zukunft nicht dem Zufall zu überlassen.
Die gute Nachricht:
Wenn Sie gesund bleiben und die Versicherung nie in Anspruch nehmen müssen, haben Sie über viele Jahre für etwas investiert, das unbezahlbar ist: Ihre Sicherheit, Ihre Souveränität – und Ihre Unabhängigkeit.

Denn eines ist sicher:
Das Leben hält sich nicht immer an unsere Pläne. Aber wir können dafür sorgen, dass es sich trotzdem gut weiterdreht.

 

Michael Asmus

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Dieser Beitrag wurde am 29.04.2025 veröffentlicht von:
Michael Asmus

aus Stolberg

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