Nach Studium oder Ausbildung: Der perfekte Versicherungs-Check für den Karrierestart

Nach Studium oder Ausbildung: Der perfekte Versicherungs-Check für den Karrierestart

Welche Versicherungen brauchen junge Erwachsene nach Ausbildung oder Studium?

Der Start ins Berufsleben ist eine spannende Phase: Eigenes Geld verdienen, erste große Anschaffungen und vielleicht der Auszug aus dem Elternhaus. Doch mit diesem Schritt ändern sich oft auch die Versicherungsbedingungen. Viele Policen, bei denen junge Erwachsene über die Eltern mitversichert waren, laufen aus – und eigene Verträge werden notwendig. In diesem Artikel klären wir, welche Grundversicherungen Berufseinsteiger wirklich brauchen und worauf sie achten sollten.

1. Private Haftpflichtversicherung – ab jetzt ein Muss

Die private Haftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Versicherungen, die jeder haben sollte. Sie schützt vor finanziellen Schäden, wenn man versehentlich jemandem Schaden zufügt – sei es durch einen Fahrradunfall oder ein Missgeschick in der Mietwohnung.

Wann fällt der Versicherungsschutz bei den Eltern weg?

  • Während Ausbildung oder Studium sind Kinder oft über die Eltern mitversichert.
  • Nach Abschluss der Erstausbildung oder des Studiums endet der Schutz in der Regel.
  • Ausnahme: Bei bestimmten Tarifen bleiben Kinder mitversichert, solange sie noch bei den Eltern wohnen – das muss jedoch individuell geprüft werden.

Empfohlene Vorgehensweise:

✅ Prüfen, ob der elterliche Vertrag noch Schutz bietet.
✅ Falls nicht: Eine eigene private Haftpflichtversicherung abschließen.
✅ Direkt auf einen Tarif mit guten Leistungen und ausreichend hoher Deckungssumme (mind. 10 Mio. €) achten.

2. Krankenversicherung – Pflichtversicherung mit Wahlmöglichkeiten

Nach dem Studium oder der Ausbildung müssen junge Erwachsene ihre Krankenversicherungssituation klären.

Drei Möglichkeiten je nach Berufseinstieg:

  1. Angestellte: Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV).
  2. Selbstständige/Freiberufler: Wahl zwischen GKV und privater Krankenversicherung (PKV).
  3. Beamte oder Beamtenanwärter: In der Regel Wechsel in die private Krankenversicherung sinnvoll.

Wichtige Fragen:

✅ Besteht eine Möglichkeit, sich freiwillig gesetzlich zu versichern?
✅ Ist eine private Krankenversicherung langfristig bezahlbar?
✅ Welche Zusatzleistungen sind sinnvoll?

Tipp: Wer als Berufseinsteiger privat versichert werden möchte, sollte prüfen, ob er langfristig die Voraussetzungen erfüllt (z. B. dauerhaft über der Versicherungspflichtgrenze verdient).

3. Berufsunfähigkeitsversicherung – früh sichern lohnt sich

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) schützt das Einkommen, wenn man aufgrund von Krankheit oder Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Besonders für junge Leute ist der Abschluss zu empfehlen, da die Beiträge in jungen Jahren deutlich günstiger sind.

Warum früh abschließen?

  • Je jünger und gesünder man ist, desto günstiger sind die Beiträge.
  • Viele Erkrankungen, die später auftreten, können den Abschluss erschweren oder verteuern.
  • Staatliche Absicherung ist unzureichend – es gibt nur eine Erwerbsminderungsrente, die oft nicht zum Leben reicht.

Zusätzliche Option für bereits Versicherte:

Wer bereits eine Grundfähigkeits- oder Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen hat, kann jetzt häufig ohne erneute Gesundheitsprüfung:
Den Vertrag umwandeln (z. B. in einen besseren Tarif oder mit höherer Absicherung).
Die Berufsunfähigkeitsrente erhöhen, um sich dem neuen Einkommen anzupassen. Unter Umtänden sogar ohne Gesundheitsprüfung!

Was beachten?

✅ Auf eine hohe Absicherungssumme achten (mind. 60 % des Nettoeinkommens).
✅ Tarife mit Verzicht auf abstrakte Verweisung wählen (damit man nicht auf einen anderen Beruf verwiesen wird).
✅ Gesundheitsfragen gewissenhaft beantworten – ggf. anonyme Risikovoranfrage nutzen.

4. Hausratversicherung – wichtig für den ersten eigenen Haushalt

Mit dem Auszug aus dem Elternhaus stellt sich die Frage: Wer zahlt, wenn Einbrecher kommen oder ein Wasserschaden die Möbel ruiniert? Die Hausratversicherung übernimmt Schäden an Einrichtung und persönlichen Gegenständen durch Feuer, Leitungswasser, Sturm, Einbruch oder Vandalismus.

Wann wird eine eigene Police benötigt?

  • Solange junge Erwachsene bei den Eltern wohnen, sind sie in vielen Fällen über deren Hausratversicherung mitversichert.
  • Beim Umzug in eine eigene Wohnung oder Wohngemeinschaft wird eine eigene Hausratversicherung notwendig.

Empfehlungen:

✅ Versicherungssumme passend zum Wert des eigenen Hausrats wählen.
✅ Falls WG: Prüfen, ob eine gemeinsame Versicherung möglich ist.
✅ Zusatzoptionen wie Fahrraddiebstahlschutz oder Elementarschäden berücksichtigen.

5. Kfz-Versicherung – Fahrerkreis erweitern oder eigene Versicherung?

Wer ein eigenes Auto besitzt oder ein elterliches Fahrzeug regelmäßig nutzt, muss sich mit der Kfz-Versicherung auseinandersetzen.

Wichtige Punkte:

  • Ist das Auto der Eltern versichert? Dann prüfen, ob der Fahrerkreis erweitert werden muss.
  • Wer ein eigenes Auto anmeldet, braucht eine eigene Versicherung.
  • Junge Fahrer können oft von Sondereinstufungen profitieren, z. B. als Zweitwagen über die Eltern.

Tipp: Wer über die Eltern versichert war, kann sich beim eigenen Versicherungsabschluss oft die Schadenfreiheitsklasse anrechnen lassen.

6. Altersvorsorge – so früh wie möglich beginnen

Auch wenn die Rente noch weit weg erscheint: Wer früh mit der Vorsorge beginnt, profitiert von Zinseszinseffekten und günstigen Beiträgen.

Sinnvolle Optionen für junge Berufseinsteiger:

  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV): Falls der Arbeitgeber diese anbietet, sollte man sie nutzen – oft gibt es Zuschüsse.
  • Private Rentenversicherung: Gerade für Selbstständige und Freiberufler sinnvoll.
  • Fonds- oder ETF-Sparpläne: Flexibler als klassische Rentenversicherungen und mit hoher Renditechance.

Fazit: Individuell prüfen und absichern

Mit dem Einstieg ins Berufsleben fallen viele junge Erwachsene aus den elterlichen Versicherungen heraus. Einige Policen müssen neu abgeschlossen, andere angepasst werden.

Pflichtversicherung: Krankenversicherung klären.
Essentiell: Private Haftpflicht, Berufsunfähigkeit und ggf. Hausratversicherung.
Empfohlen: Kfz-Versicherung, falls ein eigenes Auto genutzt wird.
Langfristig wichtig: Altersvorsorge so früh wie möglich starten.
BU-Bestandsschutz nutzen: Wer schon eine Berufsunfähigkeits- oder Grundfähigkeitsversicherung hat, sollte jetzt die Option zur Erhöhung oder Umwandlung ohne Gesundheitsprüfung prüfen.

Wichtig: Bei bestimmten Tarifen sind junge Erwachsene weiterhin bei den Eltern mitversichert, solange sie noch zu Hause wohnen. Das sollte jedoch individuell geprüft werden.

Der Versicherungsbedarf ist immer eine Einzelfallentscheidung – ein Beratungsgespräch kann helfen, die optimale Absicherung für den neuen Lebensabschnitt zu finden.

Michael Asmus

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Dieser Beitrag wurde am 24.02.2025 veröffentlicht von:
Michael Asmus

aus Stolberg

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